An meinem Geburtstag ist in Rheinland Pfalz in diesem Jahr ein Feiertag. Schon lange habe ich mit Enja und Lee geplant ein langes Wochenende segeln zu gehen. Nachdem ich aus Bulgarien eingeflogen bin und auch Lee in Harburg eingetrudelt ist fahren wir am Mittwochabend gemeinsam nach Strande. Spät sind wir in den Kojen, und für den Donnerstag ist ordentlich Wind vorhergesagt. Schlei? Sonderburg? Schaun wir mal. Morgens pfeift es schon ordentlich. Die kleine Fock, und das Großsegel mit einem Reff? Vielleicht doch auch lieber mit zwei Reffs? Erstmal gratulieren Enja und Lee mir zum Geburtstag. Hätte ich doch glatt vergessen. Enja hat eine Kerze dabei, und ich bekomme eine große Kiste mit Marzipan und eine tolle Krawatte mit Bootsbaumotiv.
Wir kaufen in Schilksee ein, frühstücken gemütlich, dann geht es los. Um Lee sein erstes Mal Segeln nicht zu verleiden, habe ich mich für zwei Reffs entschieden. Bis vor Schleimünde geht es ganz gut so, aber der Wind nimmt immer noch weiter zu. Wir nehmen das Großsegel ganz weg, und segeln nur unter Fock weiter nach Norden. Sonderburg haben wir uns abgeschminkt, dort kommt der Wind genau her. Stattdessen nehmen wir Kurs auf Söby. Kurz vor Skjoldnaes nimmt der Wind wieder etwas ab, und wir setzen das Großsegel wieder mit zwei Reffs. Wow, war das ein Ritt heute. Hohe Wellenberge kommen von vorne und duschen uns kräftig. Und in dem heftigen Seegang schießen die Besteckschubladen mehrmals quer durch das Boot und schütten ihren Inhalt auf dem Boden aus. Hinterher bei Windfinder sehen wir: Böen von 7-8 Bft waren es bei Kiel leuchtturm! Trotz Ölzeug kommen wir reichlich nass und etwas durchgefroren in Söby an und der erste Wunsch an Land ist: eine warme Dusche!
Am Freitag weiter nach Marstal? Oder lieber in die Schlei? Da wir Samstagabend zurück sein müssen und die Windvorhersage für den Samstag Westwind prognostiziert, entscheiden wir uns für Maasholm. Tagsüber nimmt der Wind etwas ab und wir kommen bei 4-5 Bft. ganz gemütlich bis vor Schleimünde. Der Wind drückt das ganze Wasser in die Schlei und durch die Strom-gegen-Wind Lage entsteht eine kabbelige See. Von achtern kommen zwei Fischkutter heftig Wasser zur Seite schaufelnd vorbei. Wie immer bekommen wir ganz innen am Steg „A“ einen Platz, kaum einer fährt die Pappelallee so weit hinein und bisher haben wir fast immer noch Glück gehabt und dort einen Platz bekommen. Wir bummeln durch Maasholm, Enja und Lee suchen ein paar Geo-Cashes, dann gibt es etwas zu essen.
Am Samstag pfeift es immer noch, aber heute wird ein Spaß-Segeltag, da sind wir uns sicher. Die Sonne scheint, und bei dem kräftigen WNW 5-6 können wir richtig Gas geben. Zuerst am Sperrgebiet entlang, dann noch etwas abfallen in Richtung Kiel. Die Wellen aus der Eckernförder Bucht schieben ordentlich mit und auf fast jeder Welle schlägt die Logge bis auf über 10 kn aus. Heutiger Rekord sind 11.4 Knoten 🙂
Schnell sind wir in Strande zurück, klaren das Boot auf, und machen einen Ausflug nach Schilksee. Enja und Lee laden mich beim Italiener zum Essen ein, hinterher sehen wir uns dort noch das WM Spiel Deutschland gegen Ghana ein. Au weia! Die Deutsche Mannschaft mehr im Rückwärtsgang, kein besonders attraktives Spiel. Am Sonntag bringen wir Lee morgens zur Bahn, er muss zurück zu seinem Lehrgang nach Kaufbeuren. Enja und ich genießen den Tag im Hafen, bummeln durch Schilksee und beenden das Wochenende mit einem Besuch bei meinem Bruder und seiner Familie in Neumünster.



