Enja war gestern schon um 22 Uhr ins Bett gegangen, weil sie nach der vergangenen Nacht im Krankenhaus noch müde war. Kurz vor Mitternacht weckt sie mich, wieder kolikartige Krämpfe, diesmal fasst sie sich aber an die linke Seite in Höhe der Nieren. Schnell angezogen und wieder ins Krankenhaus (diemal mit dem Taxi). Dort kennt man Enja ja schon und auf Grund der Symptome vermutet man nun Nierensteine. Die zweite Nacht im „Klinikum am Strom“ verbringt sie daher auf der Urologie.
Morgens bin ich wieder alleine an Bord, nur der leere Schlafsack neben mir. Ich brauche etwas, bis ich in Gang komme, nette SMS von Mexi und Marina helfen mir über meinen Tiefpunkt hinweg. Nach dem Frühstück überlege ich, ob wir unsere „Kleine Ostseerunde“ noch schaffen können, denn statt der ursprünglich angedachten 10 Wochen haben wir wegen Enjas FÖJ ja nur noch 8 Wochen Zeit, bis wir zurück in Kopenhagen sein wollen. Wenn sich die Nierensteine hier länger hinziehen, müssen wir wohl umdisponieren. Über Polen, die Baltischen Staaten, Finnland und die Alands nach Stockholm wird die Strecke einfach zu lang, wenn wir auch noch etwas von Land und Leuten sehen wollen. Bei dem diesjährigen „Sommer“ vielleicht sowieso keine schlechte Idee, an der schwedischen Küste zu bleiben.
Vormittags besuche ich Enja im Klinikum und bringe ihr noch zwei Bücher, die Hausschuhe und Gummibärchen mit. Über Mittag baue ich die alten Trinkwasserleitungen aus, die irgendwo so lecken, dass der gefüllte Tank nach ein paar Tagen halb leer ist, ohne dass man etwas verbrauchen müsste. Nachmittags besuche ich Enja noch einmal und bringe eine Packung Kekse mit und gehe mit Ihr spazieren. Sie soll sich viel bewegen und viel trinken, eigentlich soll sie noch ins CT, aber das ist wohl erst mal auf den nächsten Tag verschoben. Den ganzen Vormittag war tolles Wetter mit leichtem Wind und Sonnenschein, nachmittags pfeift es schon wieder und es ist nasskalt und regnet, so dass ich noch schnell die Kuchenbude aufbaue, als ich vom Klinikum an Bord zurück bin. Was für ein Sommer!

