Komisch, da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Über „Segeln lernen – aber wie?“ hat DIGGER neulich in seinem Blog geschrieben. Ich segele ja eigentlich schon immer, seit ich denken kann, und noch etwas länger. Geboren in Ærøskøbing, als meine Eltern ihr erstes Boot, ein „Danboat 33 ASL“ kauften. Und nur weil das Vorluk bei der Übergabe noch leckte, habe ich nicht irgendwo in der Kieler Bucht das Licht der Welt erblickt, sondern im „Sygehus“ von Ærøskøbing. Zur Ehrenrettung meiner Eltern muss ich hinzufügen, dass ich mich ungeplant, acht Wochen vor dem errechneten Stichtag, auf den Weg in die Welt machte. In den ersten Jahren unserer jungen Segler Karriere waren mein Bruder und ich nur wenig begeisterte Mitsegler. Und auch meiner Mutter hat es sicher nicht immer Spaß gemacht, denn einer von uns spuckte noch vor Kiel Leuchtturm, und der andere kurz danach. Wir hatten Spaß daran, kleine Boote oder Plastik-Enten hinterher zu ziehen, aber das Segeln selbst war total langweilig und zum k…
Interessant wurde das Segeln für mich im Alter von 9 Jahren mit dem ersten eigenen Optimisten. Harald Wensky, der damalige Freund meiner älteren Schwester, setzte sich vorne mit in die Kiste und brachte mir in der Strander Bucht die Grundlagen des Segelns bei. Richtig los ging es dann 1975, als meine Eltern zwei Jahre lang kein Segelboot hatten und unsere Opti’s an den Einfelder See gelegt wurden. Im SCN (Segel Club Neumünster) gab es damals unter der Leitung von Malermeister Uwe Kröger eine sehr aktive Opti-Gruppe, die Sommers wie Winters einmal in der Woche trainierte. Im Sommer Training auf dem Wasser, im Winter Konditionstraining und „Freestyle-Basketball“ in der Sporthalle irgendeiner Schule in Neumünster. Und im Sommerhalbjahr ging es auch fast jedes Wochenende mit einem Möbelwagen der Spedition Voigt (die Kinder Henning und Susanne waren auch in der Opti-Gruppe) zu Regatten am Brahmsee, an den Plöner See, Malente, Bosau, an die Flensburger Förde nach Glücksburg, an die Kieler Förde nach Schilksee, an die Lübecker Bucht nach Grömitz, auf die Treene nach Friedrichstadt und natürlich auf unserem Heimatrevier am Einfelder See.
Mit 14 Jahren dem Opti entwachsen stieg ich 1977 in den Laser um. Im gleichen Jahr kauften meine Eltern noch einmal ein neues Boot, eine „Contessa 32“, heute ein „Modern Classic“ und in Großbritannien DER Cruiser-Racer schlechthin. Nun kam zum Regattasegeln auf der Jolle die Komponente des Fahrtensegelns hinzu. Meist Tagestouren einmal um den Kieler Leuchtturm, aber auch die ersten Reisen in die Dänische Südsee und Rund Fünen. Bücher von Chichester, Moitessier und Erdmann weckten die Sehnsucht nach weiten Reisen auf den Ozeanen.
Mit 18 Jahren Abitur, Führerschein dann BK-Führerscheinkurs in der Jugend-abteilung des KYC (der Yachtschule) und das Segeln auf der „Kuh“, der ZUKUNFT II, einer fast 16 m langen schweren, klassischen Ketsch mit Baujahr 1936. Der Hilfsmotor nur ein Flautenschieber, wenn es „ernst“ wurde, musste die „Kuh“ mit den Segeln bewegt werden. Nur das Großfall wurde über eine Winsch gefahren, alles andere laufende Gut wurde mit Klappläufern, Taljen und mit vereinten Kräften der jugendlichen Crew dicht geholt. In der Yachtschule segelte man nämlich ohne Erwachsene. Gekocht wurde auf einem 2-flammigen Petroleumkocher, abgewaschen in einer Plastikschüssel an Deck. Zu der Zeit segelte ich abwechselnd immer noch Laser, die Contessa meiner Eltern und und auf der „Kuh“, und es war immer sehr spannend, sich wieder in die sehr unterschiedlichen Boote „einzufühlen“ und überraschend, wie „groß“ sich die Contessa anfühlte, wenn ich gerade vom Laser kam, und wie „klein“, wenn ich vorher auf der „Kuh“ gesegelt war.
Wenn ich so zurückblicke, kann ich bei der Frage „Segeln lernen – aber wie?“ einigen Kommentaren auf DIGGERS Blog nur zustimmen.
„Segeln lernt man durch segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln, segeln“, und
“Man lernt auf Jollen segeln, auf Yachten den Umgang mit Schiffen und auf Traditions-Seglern klassische Seemannschaft.” – bei mir war das der Laser, die Contessa meiner Eltern und die „Kuh“ der Yachtschule des KYC.
Segelschulen sind sicher eine Möglichkeit, aber wenn man „Segeln lernt man durch Segeln“ beherzigen will, bieten die zahlreichen Segelvereine langfristig die bessere Möglichkeit, regelmäßig zu segeln – zumindest wenn man sich nicht gleich ein eigenes Boot anschaffen will. Wobei der KYC nicht nur eine Jugendabteilung hat, sondern das Segeln auch in der Jüngsten- und Regattagruppe anbietet.
Ältere Segelneulinge, die bereits der Jugendabteilung entwachsen sind, haben die Möglichkeit in der sogenannten Schulungsgruppe auf Clubeigenen Booten zu segeln.



