#WeltOzeanTag #MeinMeer

Am 8. Juni ist #WeltOzeanTag. Was waren meine schönsten, spannendsten Momente mit dem Meer? Vor einiger Zeit habe ich mit einer Freundin darüber philosophiert, was uns Segler immer wieder hinauszieht auf das Wasser, was sind die besonderen Momente, Erlebnisse? Pfingsten 2011 war ein toller Segeltag und die Freundin kommentierte, „Für solche Tage geht man doch immer wieder segeln und bekommt eins auf die Mütze, weil wir genau wissen: es gibt den perfekten Segeltag!!!“

Aber was ist er denn nun, der perfekte Segeltag?

Abendessen im Cockpit. Sonnenuntergang, der Mond steht am Himmel. Herrlich!

Abendessen im Cockpit. Sonnenuntergang, der Mond steht am Himmel. Herrlich!

Besagter Pfingstfreitag (vor drei Jahren) war sicher schon ein Top-Segeltag: Wind WNW 3-4, das Boot bei Vollzeug mit einem Schrick laufen lassen, Sonne, später Winddrehung auf NNW, aufkreuzen bis Ärö. Nach Skjoldnäs abfallen in Richtung Svendborg. Jetzt eine Suppe warm machen oder den Spinacker ziehen? (Das war wohl mehr eine rhetorische Frage 🙂 Direkt hinter der Svendborgsundbrücke dreht der Wind auf ENE, Spinacker weg, Vorsegel wieder hoch. Mit dem letzten Wind gleiten wir in Richtung Troense. Vorsegel weg, Anker klar, Aufschießer, Anker fällt, Großsegel weg. Dann gemütlich Abendessen im Cockpit. Sonnenuntergang, der Mond steht am Himmel. Herrlich!

War das nun DER perfekte Segeltag?

Im Laufe der Zeit kann man sich an so viele tolle Segeltage erinnern.

1982 auf einer Reise Rund Fünen, als wir von Norden kommend bei SW 5-6 den Großen Belt in Richtugn Svendborg aufkreuzen und Achim uns mit liebevoll dekorierten Häppchen aus dem Niedergang heraus versorgt hat…

Unter Spinnaker durch die Schären nach Stockholm

Unter Spinnaker um die Wette durch die Schären

Oder auf der gleichen Reise ein paar Tage vorher, als wir zwischen Kalundborg und Sejerö bei fast völliger Flaute, aber immer noch mit 3 kn Fahrt, über eine Stunde von einem Schweinswal begleitet wurden…

Oder später im gleichen Jahr, als wir nach der Sandhamn Regatta zusammen mit dem GOCKEL 2 bei tollstem Wetter unter Spinnaker durch den Stockholmer Schärengarten um die Wette gesegelt sind…

Woran ich häufig zurückdenke und auch immer mal wieder von erzähle: Die Reise mit der PIPAPO nach London. Als wir in Brunsbüttel ausschleusten wehte es bereits mit fünf Windstärken aus WNW, und im Laufe der Zeit nahm der Wind immer mehr zu. Ungefähr stündlich mussten wir auf kleinere Vorsegel wechseln oder das Großsegel weiter reffen, bis wir schließlich kurz hinter Cuxhaven mit Fock 2 und drei Reffs im Groß gegen NW 8 ankreuzten. Dabei verarbeiteten wir 23 Limonadenflaschen, die wir im Vorschiff gestaut hatten, zu Glasscherben…

Ganz sicher kein perfekter Segeltag, bleibt aber im Gedächtnis 🙂

Es gibt also viele Aspekte, die einen perfekten Segeltag ausmachen können: tolles Wetter, sportliches Segeln, das Crewerlebnis, die Begegnungen mit Meerestieren, und auch das Bewältigen von unangenehmen Situationen.

Augen geschlossen. Steuern nur nach Gefühl. Segeln wie in Trance!

Sehen muss ich nichts, ich fahre das Boot mehr nach Gefühl. Das war wie in Trance!

Das absolute Highlight war für mich im Jahre 2010 auf dem Weg von Grenaa nach Hals. Blauer Himmel, kein Wölkchen zu sehen. Wind zuerst SE 2-3, später ESE 4-5. Wir fahren Spinacker und Großsegel. Der Spi ist nicht ganz nach achtern geholt und steht fast genau vor dem Schiff. Zusammen mit dem weit gefierten Großsegel ist die SNAEDIS genau ausbalanciert und fährt wie auf Schienen vor den fast genau von achtern kommenden Wellen. Ich stehe im Cockpit, habe die Pinne zwischen den Beinen und pendele mit leichten Bewgungen den Seegang aus, das reicht um das Boot auf Kurs zu halten. Das grelle Weiß des Großsegels blendet, ich habe ein Auge geschlossen, das andere nur einen Spalt geöffnet. Sehen muss ich nichts, ich fahre das Boot mehr nach Gefühl. Vor der Welle leicht abfallen und sich dann von der Welle wieder ein wenig nach Luv drücken lassen. Möglichst kleine Ruderausschläge, um möglichst wenig zu bremsen. Mit 8.5 kn, 9 kn, 9.5 kn und einmal sogar 10.1 kn surfen wir die Wellen hinunter. Plötzlich schrecke ich zusammen. Huch, ich bin ja gar nicht alleine an Bord. Vielleicht sollte ich mich mal wieder mit meinen Mitseglern unterhalten…

Das war wie in Trance! Totale Symbiose zwischen Mensch und Boot.

Das war DER perfekte Segeltag!

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