Nach dem Wetterbericht am Donnerstag nachmittag ist die Entscheidung klar: wir bleiben erstmal in der Ostsee. Am Samstag sollen wir zwar SE 3-4 auf der Elbe haben (super, um von Brunsbüttel nach Helgoland zu segeln), am Sonntag soll es wechselhaft und schwachwindig sein (Hafentag auf Helgoland), aber nach dem Durchzug von Gewittern soll der Wind die nächsten Tage auf NE-N-NW drehen (falsche Windrichtung, um von Helgoland zum Limfjord hoch zu segeln). Abends mit Enja und Mara im El-Mövenschiss in Schilkee lecker zu Abend gegessen. Am Freitag morgen sind Walter und Miri schon um 8 Uhr am Boot in Strande. Klamotten und Proviant verladen, alles verstauen, beim Hafenmeister abmelden, um 9 Uhr sind wir schon auf dem Wasser.
Unter Gennaker setzen wir unseren Kurs in Richtung Südspitze Langeland ab. Walter und Miri freuen sich, nach 11 Stunden Autofahrt gestern, heute auf dem Wasser zu sein. Kein Wölkchen am strahlend blauen Himmel. Mittags dreht der Wind etwas zurück und wird etwas spitz für den Gennaker, aber auf der Höhe von Spodsbjerg dreht der Wind wieder recht, und wir können das gelbe Segel wieder setzen. Wohin wollen wir heute? Spodsbjerg sind wir schon vorbei. Lohals? Korsör? Eigentlich ist das Wetter viel zu schön, um in einen Hafen zu fahren. Oder die Nacht hindurch nach Ebeltoft? Mara ist enttäuscht. Warum nicht gleich nach Anholt? Abends vor der Großen Belt Brücke briest es etwas auf, fast zu viel für den Gennaker. Ein bisschen muss er noch durchhalten. Erstens sind wir gerade beim Abendessen, und zweitens möchte ich unter Gennaker unter der Brücke hindurchsegeln.
Die Brücke passieren wir unter goldgelbem Vorsegel kurz vor Sonnenuntergang, danach setzen wir die G3. Der Wind legt noch etwas zu, wir sind schneller als gedacht. Mitternacht passieren wir Rosnäs Puller. Dann wären wir kurz nach 4 Uhr morgens vor Ebeltoft? Auch blöd. Dann können wir auch nach Anholt durchsegeln, so wie Mara es sich gewünscht hat, und sind irgendwann vormittags da. Zuerst haben Walter und ich Wache, Miri möchte geweckt werden, wenn es am dunkelsten ist. Wir sehen eine ganze Menge Sternschnuppen, obwohl die Perseiden kommen doch erst in ein paar Tagen. Ganz dunkel wird es gar nicht. Wir passieren Sjaellands Rev und können dann wieder etwas abfallen in Richtung Anholt. Im Nordosten wird es schon wieder hell. Enja und Mara kommen an Deck und freuen sich über den Sonnenaufgang. Mit Backstagsbriese laufen wir zwischen 7-8 Knoten und surfen immer mal wieder die höher werdenden Wellen hinunter. Walter liest einmal 10,74 kn auf dem GPS ab!
Schon um 8 Uhr passieren wir die S-Untiefentonne vor Anholt – 60 sm in 8 Stunden seit Sjaelland Rev, genau 7.5 Knoten im Schnitt, und unter 24 Stunden für die Strecke Kiel – Anholt, cool! Die ersten Boote laufen aus Anholt aus, dann werden wir wohl auch ein Plätzchen finden. Tatsächlich sind viele Plätze frei, also kein Problem. Walter und Miri besorgen Brötchen und wir frühstücken erstmal. Die klammen Sachen raus zum trocknen, duschen, ein Spaziergang ins Dorf, etwas Schlaf nachholen, Logbuch schreiben – jeder macht etwas, wonach ihm gerade ist. Nachmittags gehen wir an den Strand und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.
Nach dem Abendessen gehen die Mädels noch ein Stück am Strand entlang und bringen schöne Bilder von der Abendstimmung am Wasser mit. Als es schon dunkel ist, scheucht ein Amerikaner die Segler auf, als er mit seiner (zu großen) Ketsch in die (zu enge) Pappelallee fährt, gegen den Wind nicht drehen kann und langsam nach Lee in die Bojen und in die dort liegenden Boote treibt. Wir hören später, das Ehepaar ist schon seit sechs Jahren auf Weltreise, nach Südamerika nun in Europäischen Gewässern, aber Anholt ist halt nicht Patagonien…






























