Gespielt – Gewonnen!

Zwei Trawler mit Schleppnetz

Aufstehen um sieben Uhr, ablegen um acht Uhr – so früh waren wir bisher noch nie. Leichter Wind aus ENE erwartet uns als wir Ystad verlassen und, mal wieder die Genua III ausbaumen und zum Großsegel als Schmetterling fahren. Vor uns ist die PUMPERNICKEL, eine wunderschöne schwarze Baltic mit roten Zierstreifen ausgelaufen. Da sie auf dem Kurs nur das Großsegel gesetzt haben, haben wir sie bald ein- und überholt. Hinter Trelleborg dreht der Wind auf E und nimmt immer mehr ab, sieben Meilen vor Falsterbro Rev treiben wir in der Flaute. Na, da hat es doch gut geklappt, mit unserem Pokerspiel. Gespielt – gewonnen! In einer Stunde wird der Wind wie angesagt aus WSW wiederkommen und dann haben wir einen schönen Halbwindsgang in den Sund hoch 😀

Aus allem kann man noch ein Kunstwerk machen 🙂

Wir starten den Motor und tuckern in Richtung des Kreisels vor Falsterbro Rev. Wenn es nach Enja ginge, sollten wir einmal in den Kreisverkehr einfahren und einmal ganz drum herum, aber dafür ist der Kreis mit einem Durchmesser von über vier Seemeilen dann doch zu groß. Tatsächlich kommt der Wind nach gut einer Stunde wieder, zuerst aus SW, und dreht dann im Verlaufe des Nachmittags über W auf WNW. Gut, dass wir nur die Genua III oben haben, denn zwischendurch ist es immer mal wieder ganz schön pustig. Eine große Bavaria, die wir kurz nach dem Kreisverkehr überholen, rollt sogar ganz ihr Vorsegel weg.

Auf dem Weg nach Norden treffen wir sogar zwei typische, hellblaue Dänische Fischerboote die ein Schleppnetz hinter sich herziehen – genauso wie wir es gerade im Meeresmuseum von Stralsund gesehen haben. Früher traf man alle Nase lang auf Dänische Fischerboote, die zu zweit ein Schleppnetz hinter sich her zogen (und meist im ungünstigsten Moment den Kurs änderten und denen wir als Segler ausweichen mussten) aber heute ist dieser Anblick selten geworden. Jedenfalls war dies das erste Mal, dass wir so etwas beobachten konnten, seit wir seit 2009 im Sommer wieder mit einem Segelboot unterwegs sind.

Um kurz vor sechs laufen wir in Dragör ein, einem kleinen geschichtsträchtigen Lotsen- und Fischereiort am Südausgang des Öresundes, heute ein Vorort von Kopenhagen. Der alte Hafen ist schon ziemlich voll, wir finden nur noch einen Platz längsseits einer großen Dufour ganz am Ende der nördlichen Außenmole. An dem lauen Abend sitzen viele Menschen draußen vor den Restaurants am Hafen und man hat mehr das Gefühl am Mittelmeer zu sein als in einem kleinen Vorort der dänischen Hauptstadt.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

STRAAAAND!

Der Yachthafen von Ystad

Gestern sind wir von Simrishamn hierher nach Ystad gesegelt. Wind S 4, einen Holeschlag, bis wir am Leuchtturm Sandhammeren vorbeikommen, dann mit einem Schrick hierher. An der Steilküste zwischen Sandhammeren und Kaseberga sehen wir eine ganze Anzahl von Paraglidern, die dort im Aufwind der Küste hin- und herfliegen. Überhaupt sieht die Küste völlig anders aus, als wir es die vergangenen Wochen gewohnt sind. Die Steilküste ist wohl gar nicht ganz steil, jedenfalls sieht man nur sporadisch das Weiss der Abbruchkannten, sondern es ist alles grün bewachsen. Und unten am Ufer sieht man sogar STRAND, den haben wir seit Dueodde auf Bornholm nicht mehr gesehen auf dieser Reise. In Ystad sind wir schon relativ früh, so dass wir abends mal wieder etwas aufwändiger kochen. Am nächsten Tag soll noch einmal Wind aus West sein, daher wollen wir am Sonntag in Ystad bleiben. Die folgenden Tage soll es Wind aus Ost geben, dann kommen wir leichter weiter auf unserem Weg nach Kopenhagen. Allerdings sind sich die Wetterberichte noch uneins, ob wir nur sehr leichte Winde (Bft. 2) oder schönen Segelwind (Bft. 4-5) bekommen sollen. Egal, wir haben Zeit genug.

Das sieht nett aus

Heute kann Enja mal wieder ausschlafen, dann frühstücken wir gemütlich, bummeln durch die Stadt. Ystad ist ganz nett, hat aber nicht den Charme der kleinen Dänischen Hafenstädtchen – und die Fußgängerzone wirkt am Sonntag mit den ganzen geschlossenen Geschäften doch etwas verwaist. Enja entdeckt ein altes Fachwerkhaus, von dem sie ganz begeistert ist, und die Skulptur eines Fohlens in der Innenstadt muss ich fotografieren. Völlig unerwartet stolpern wir über einen geöffneten Supermarkt und kaufen noch ein paar Dinge ein. Auf dem Rückweg zum Hafen bemerkt Enja, „Ich habe eigentlich auch schon wieder Hunger…“ – also, Papi, ab in die Pantry und den Nudelauflauf fertigmachen!

Ein Wildpferd in der Fugängerzone

Während ich das Essen zubereite versucht Enja, weiter braun zu werden – dafür muss sie nach dem Essen abwaschen. Abends versuche ich noch einmal eine Wetterprogose von Windfinder aus dem Internet zu ziehen, aber das WLAN hier in Ystad ist heute ziemlich zickig. Schließlich klappt es aber doch, wenn auch nicht über das Public Netz des Hafens. Es scheint so, dass der versprochene Ostwind morgen nur bis mittags durchstehen wird, und dann wieder auf WSW dreht. Das heißt für uns mal RICHTIG früh aufstehen morgen, um bis mittags möglichst weit in Richtung Falsterbrorev gekommen zu sein. Dann können wir in Richtung Kopenhagen abfallen. Mal sehen, ob die Überlegungen aufgehen.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Papi, wie lange noch?

Restaurant und Laden am Hafen

Unser Belgischer Nachbar lief schon aus, bevor wir mit Frühstück angefangen hatten. Es würde heute ja eh kein Wind kommen, sie wollten nur bis Sölvesborg motoren. Bis wir dann so weit waren, hatte sich dann aber doch der angesagte Wind aus WSW durchgesetzt. Unser Ziel für heute war Simrishamn oder Skillinge. Bevor es losging machten wir aber noch einen kleinen Rundgang durch den Hafen, warfen einen Blick in das winzige Museum mit Gallerie, in dem alles mögliche wissenswerte über die Insel und ihre Bewohner zusammengetragen ist: von Geschirr über Wohnzimmereinrichtungen und Trachten, einen alten Motor und Informationen über Flora und Fauna, die man auf der Insel findet, bis hin zu NATO Kriegsschiffen, die hier mal vor der Insel geankert haben. Besonders niedlich am Restaurant das kleine Café „Lilla Hunden“ – das hätte unserer „Sissy“ bestimmt auch gefallen.

Café „Lilla Hunden“

Unterwegs mussten wir dann feststellen, dass der Wind gar nicht daran dachte sich an die Vorhersage zu halten. Anstatt von WSW im Tagesverlauf auf W zu drehen, was uns einen Anlieger nach Simrishamn ermöglicht hätte, drehte der Wind über SW auf Süd, und schließlich fast bis SSE. Das hieß dann doch Kreuzen! Nachmittags nahm der Wind noch etwas zu, sodaß wir die große Genua gegen die kleinere Genua III tauschen mussten – wieder so einen Riesenlappen nass im Vorschiff – aber ansonsten war das Segeln wieder ganz entspannt mit Geschichten von den ??? im Cockpit.

Abends fragte Enja, „Papi, wie lange noch?“ und war etwas enttäuscht als ich antwortete, „Eineinhalb Stunden werden wir wohl noch brauchen.“ Dabei wäre es doch ganz einfach, abends nicht so lange Segeln zu müssen, ergänzte ich, „Morgens früher aufstehen 🙂 „. Halb acht waren wir in Simrishamn und es gab schnell was zu Essen.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Papi, wie lange noch?

Auf der Suche nach neuen Perspektiven

Coast Guard Vessel in Karlskrona

Gestern haben wir nochmal einen Chilltag in Karlskrona eingelegt. Ich wurde erst um kurz vor neun Uhr wach und Enja schlief noch so friedlich, da habe ich mich auch ganz still mit meinem Buch nochmal in die Koje gelegt und gelesen. Beim Frühstück waren wir uns schon einig, heute wird nicht mehr gesegelt, und nach dem Frühstück haben wir noch zwei Hörbücher von den ??? gehört. Dabei bin ich fast schon wieder eingenickt. Nachmittags waren wir nochmal ein Eis essen (das weltbeste Pistazieneis, was es am Marinemuseum gibt), haben Postkarten gekauft und Fisch für das Abendessen besorgt. Da wir so schön viel Zeit hatten, haben wir einen Kartoffel-Spinat-Fisch Auflauf in unserem kleinen Ofenaufsatz gemacht. Das Ding hat sich wirklich bewährt, man kann doch viele andere leckere Gerichte machen, als wenn man nur den Petroleumkocher hat.

Sonne, Musik, leichter Wind 🙂

Heute ging es dann wieder weiter. Kurz nach 10 Uhr liefen wir aus Karlskrona aus, allerdings war kaum Wind. Wir waren kaum zwei Meilen vom Yachthafen entfernt, da blieb selbst das bisschen Wind auch noch weg.  Eine dreiviertel Stunde motoren, dann kam der Wind wieder. Allerdings nicht aus Norden, wie vorher, sondern aus Süden.

Eigentlich wollten wir heute nach Karlshamn, aber nachdem wir die Seekarten nochmal studiert hatten, fanden wir es eine bessere Idee noch einmal nach Hanö zu fahren, obwohl wir dort auf dem Hinweg schon einmal übernachtet hatten. Bei dem wenigen Wind, den wir heute und morgen haben sollten, wäre dann die Strecke am nächsten Tag bis zum nächsten Hafen einfach um 10 sm kürzer.

Papa sucht neue Perspektiven…

Seglerisch war es heute mal wieder ein sehr unspektakulärer Tag. Bei dem leichten Wind konnte ich aber endlich mal etwas ausprobieren, was ich mir schon lange mal vorgenommen hatte. Auf der Suche nach einer neuen Perspektive für Fotos wollte ich mich mit dem Bootsmannstuhl wie im  Trapez außenbords hängen. Damit war die Kameraposition ja immerhin fast zwei Meter außenbords und das könnte ja eine interessante Perspektive sein.

Um 18 Uhr waren wir in Hanö fest. Im Gegensatz zu den vorigen Häfen, in denen man schon deutlich die beginnende Nachsaison spüren konnte, war Hanö immer noch gut besucht. Viele Deutsche Yachten auf dem Weg nach Hause lagen hier, und auch den Belgier, den wir gestern vor Karlskrona überholt hatten, trafen wir hier wieder. Ein älteres Ehepaar, das schon seit ein paar Jahren im Ruhestand und seitdem in der Ostsee unterwegs ist. Im Winter bleibt ihr Boot auf Fehmarn, weil sie die Belgische Küste, England, Frankreich und Holland schon seit vielen Jahren bereist haben. Und wenn sie das Boot nicht nach Hause nach Belgien holen, verlängert sich die Saison in der Ostsee im Frühjahr um 3 Wochen, und im Herbst noch einmal um 3 Wochen, berichteten sie.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Auf der Suche nach neuen Perspektiven

Endlich mal nur gerade aus!

Der leere Hafen

Wie jeden Morgen werde ich durch angeguckt werden wach. Papa hat schon geduscht, eine Runde abgewaschen und Milch und Brötchen besorgt. Nach dem Frühstück geh ich dann auch noch mal duschen und Papa kauft während dessen den Rest ein, den wir noch brauchen. Milch, Yoghurt, Äpfel, Tomaten, und vor allem Honig! Dann machen wir alles startklar, gehen am Steg gegenüber noch einmal längsseit um Wasser zu tanken und dann geht’s los. Erst ein kurzes Stück am Wind aus den Schären raus und dann geht es endlich mal wieder nur gerade aus! Nach der ganzen Kreuzerei von gestern im schmalen Schärenwasser kommt uns das sehr gelegen.

Sonne, mach mich braun, äääh warm!

Den Tag über steuere ich fast die ganze Zeit, während Papa sich noch für die Nacht etwas ausruht. Zumindest solange, bis ihn eine Welle von hinten einmal kräftig duscht und sowohl seine Hose als auch seine Jacke und seine Haare nass sind. Mit normaler Reisegeschwindigkeit, also gut 7 Knoten geht es den Tag über Richtung Kalmarsund. Zum Abendbrot brät Papa die restlichen Nudeln mit Rührei an oder versucht es zumindest. Bei den doch recht hohen Wellen, die von Estland rüber kommen, ist das nämlich gar nicht so einfach, die Eier schwappen in der Pfanne rum und wollen nicht fest werden… Aber es schmeckt! 😀

Sonnenuntergang auf See

Langsam tauchen am Horizont erste Schemen von Öland auf, die „Blå Jungfru“ ist schon länger zu sehen. Bis wir neben der Blå Jungfru sind steuere ich noch weiter. Wir beschließen: Abendrot Gutwetterbot! – denn wir haben ja Ostwind, sodass die Wolken im Westen von uns weg gepustet werden. Wir stellen außerdem fest, dass die Sonne hier schon voll früh untergeht. Bereits um halb zehn war sie verschwunden. Ein großer Unterschied zu den Ålands finden wir, denn dort ist es sogar noch eine Stunde später. Nachdem Papa sich warm angezogen hat, tauschen wir mit steuern und ich gehe schlafen, um morgen ausgeschlafen zu sein, wenn wir durch die Schären nach Karlskrona finden müssen.

Morgens im Kalmarsund – wo sind die Streichhölzer?

Ich bin zum Glück mit einem tiefen Schlaf gesegnet und bekomme dementsprechend eher wenig von der Nacht mit. Lediglich das Ausbaumen der Genua III und die Halsen machen mich wach. Papas Elfenschritte über Deck tragen jedoch dazu bei, dass ich schnell wieder einschlafen kann… 😉 Ich schlafe gemütlich aus und nach einem kurzen Frühstück kann ich Papa wieder Gesellschaft leisten.

Windpark im Kalmarsund

Die weitere Fahrt ist auch eher unspektakulär. Unser geplanter langer Aufschießer bis wir in den Schären links nach Karlskrona abbiegen können klappt nicht, sodass wir doch noch ein kleines Stück kreuzen müssen. Dabei überholen wir sogar noch einen motorenden Belgier, den wir sehr schnell achteraus lassen, als wir abfallen. Kurz vor dem Hafen die Segel runter und dann gibt’s nach dem Anlegen erst einmal ordentlich was zu futtern. Kartoffeln mit totem Fisch und Krabbensalat. Wäsche waschen und von der Nachtfahrt erholen stehen auf dem weiteren Tagesplan.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Endlich mal nur gerade aus!

Arkösund

Die Gänse ziehen schon wieder nach Süden

Morgens als ich wach werde, stippelt es noch ein bißchen an Deck. Ok, keine Eile, nochmal gemütlich in die Koje und 1Q84 von Murakami weiterlesen. Dann bereite ich schon mal das Frühstück vor, wecke Enja vorsichtig. Nochmal einen Blick ins Internet. Ha, Susanne und die SIEBEN sind auch in Arkösund, allerdings in der Promarina. Sie fragt über Facebook, ob wir uns noch auf einen Kaffee treffen wollen, sie käme allerdings zu Fuß vorbei. Das ist ja nett, seit wir auf Bornholm waren haben wir uns immer um ein, zwei Tage verpasst, und nun dieses zufällige Treffen hier in Arkösund.

Susanne ist Lehrerin und hat ein Sabbatical eingelegt. In diesem Jahr geht es an die Schwedische Küste, im nächsten Jahr vielleicht nach Norwegen. Nächsten Herbst muss sie wieder unterrichten, alle drei Jahre kann sie so ein Sabbatical nehmen, nicht schlecht. Susanne hatte gestern auch hier in der kleinen Marina Arkösund Nordanskog  vorbeigeschaut, hatte sich aber von dem Schild „Privat“ am östlichen Steg abschrecken lassen – die Verlängerung der westlichen Pier bietet jedoch 20 Gästeplätze an den Schwimmstegen (so steht es zumindest im Begleitheft der DK Sportbootkarten).

Mittags kommt die Sonne heraus und wir laufen aus. Bei südlichen Winden zwischen 2 und 3 Bft beginnen wir die Strecke nach Fyrudden aufzukreuzen. Und wir nehmen wirklich alles mit. Macht das Fahrwasser einen Schlenker nach Osten, dreht der Wind gegenan, eine Schlenker nach Westen, dreht der Wind wieder genau gegenan. Aus den 20 Meilen haben wir sicher 30 Meilen gemacht. Enja hat immer unsere „Wendepunkte“ in der Seekarte eingetragen: 69 Wenden sind wir heute gefahren!

In Fyrudden liegen wir mal wieder in Auslegern. Wir staunen, der erste Platz den wir ansteuern ist zu SCHMAL für unsere 2.75 m schmale SNAEDIS. Wir staunen noch mehr, denn der Hafenkapitän ist jetzt in der Nachsaison im Wochenende und die Toiletten sind abgeschlossen. Nach uns läuft ein Schwede ein, der aber kurz danach enttäuscht wieder ausläuft, weil alle Restaurants am Hafen schon geschlossen haben. Der Hafen ist fast völlig leer. Mit uns liegen noch drei Schweden längsseis an der Pier, und gerade kommt noch ein großes Deutsches Boot.

P.S.: Wir haben heute gerade nicht fotografiert. Deshalb noch ein Bild von gestern.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Arkösund

Urschlamm Monster

SNAEDIS vor Anker in Ringsön

Enja fährt erschrocken aus dem Schlaf hoch. Etwas hat ganz laut geplatscht. Dann hört sie unheimliche Geräusche, „Hiiih – höööh“, „Hiiih – höööh“. Sie reibt sich die Augen und sinkt wissend wieder in ihr Kissen zurück. Papa badet schon wieder, ist von der Badeleiter gerade ins Wasser gestiegen und versucht jetzt wieder Luft zu holen 🙂

Nebenan von einem Deutschen Boot wird auch gebadet. Ein Engländer läuft als erstes aus. Auch wir sind früh dran heute. Als ich den Anker hoch hole, sitzt noch jede Menge Lehm an Kette und Anker. Mit Pütz und Schrubber versuche ich der Pampe Herr zu werden. Je sauberer die Kette wird, desto mehr verwandle ich mich in ein Urschlamm Monster. Nach einer halben Stunde sind Anker und Kette wieder sauber verstaut.

Regatta vor Oxelösund

Wir segeln weiter durch die „Stendörren“ (die Steintür), die wohl schon die Wikinger als Wasserweg genutzt haben, Gänse sammeln sich hier zum Flug in den Süden, an Oxelösund vorbei, wo wir in die Vor-Startphase einer Regatta geraten und weiter durch die Schären bis Arkösund. Auch hier sehen wir wieder ein Paar Schwäne mit ihren Jungen. Unglaublich, wie viele Schwäne wir hier schon gesehen haben. Bei dem leichten SSE Wind müssen wir fleißig kreuzen. Um 16 Uhr machen wir in der kleinen Marina am Campingplatz fest. Für Gastboote scheint sich hier so spät im Jahr niemand mehr zu interessieren, jedenfalls werden wir unser Hafengeld nicht los. Aber wir haben einen Platz mit Strom und kostemlosen W-Lan.

Viele Schwäne mit Jungen sehen wir

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Urschlamm Monster

Navi mit Solarbetrieb

Flaute ausnützen und Boot waschen

In der Koje war es noch so gemütlich, Wind war auch keiner, da ließen wir es heute wieder ganz langsam angehen. In der Koje frühstücken, dann abwaschen (auch noch die Reste der Pfannkuchenorgie von gestern), schön duschen und um kurz nach 12 Uhr waren wir wieder unterwegs. Wind zunächst 1-2 Bft. aus SE, später E-drehend. Bei dem Südkurs, den wir steuern, muss ich aufpassen, denn mein Navi (Enja) funktioniert nur mit Solarbetrieb, und wenn Enja im Schatten sitzt, zeigt sie keinen Kurs und keine Position mehr in der Karte an.

Segel kann man sogar alleine zusammenlegen 😀

Hinter Langsudden biegen wir links ab und schlängeln uns südlich von Torö durch das Schärenfahrwasser. Eine dicke Wolke überholt uns und bringt uns kurze Zeit Wind aus NW. Nun haben wir ja bald alle Windrichtungen gehabt heute! Später bleibt der Wind ganz weg und Enja meint: „Gute Gelegenheit zum Baden!“ Gesagt, getan! Wenn man erstmal drin ist, ist das Wasser gar nicht mehr so kalt und ich schrubbe einmal den Wasserpass. Nachdem ich wieder an Bord bin und immer noch kein Wind ist nehmen wir das Vorsegel weg und Enja beschließt, es alleine auf dem Vorschiff zusammenzulegen. Klappt, braucht aber Zeit und Geduld.

Eine Zeitlang segeln wir nur unter Großsegel weiter, da nun doch etwas Wind kommt, aber schießlich müssen wir die letzten 5 Meilen doch noch motoren. Heute wollen wir im Västerfjorden von Ringsön ankern. Wir laufen dort im Licht der untergehenden Sonne bei fast völliger Windstille ein. Tolle Atmosphäre, schwebende Schären. Insgesamt 16 Boote liegen in der Bucht, von der Enja mit dem Handy ein tolles Panoramabild macht.

Zwei Welten

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Navi mit Solarbetrieb

7-Meilenstiefel

Regenwolken voraus

Heute sind wir von Malmakvarn nach Nynäshamn gesegelt. Heute Morgen haben wir noch einen Blick in die Duschen geworfen und festgestellt, dass sie genauso süß und lila bemalt sind wie die Toiletten. Auf unserem Weg baumen wir das Vorsegel aus – mal wieder. Und wir halsen auch das ein oder andere Mal. Wir fahren um Steine rum und überholen ein paar Boote – wie immer. Und wir haben Glück, dass wir nicht allzu früh losgefahren sind. Den ganzen Tag schieben wir eine dunkelgraue Regenwolke vor uns her. Papa zieht Ölzeug an, damit es nicht anfängt zu regnen – es hilft. Dann sind wir schon in Nynäshamn. Wir legen an und bezahlen Hafengeld. Neben uns liegt ein kleines deutsches Boot, was wir schon in Mariehamn getroffen haben. Zum Abendbrot machen wir Pfannkuchen. Papa wundert sich, warum die nicht braun werden und ich schlage vor, sie einfach länger in der Pfanne zu lassen. Mehr ist heute leider nicht passiert. 🙁

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für 7-Meilenstiefel

Papi, da blinkt was

„Das ist NICHT lustig!!!

Heute ging es weiter gen Süden, den angesagten Nordostwind ausnutzen. Kaum hatten wir die Segel oben: Wind aus – Regen an. Offensichtlich muss das Schweden Handbuch im Hinblick auf Norrtälje noch ergänzt werden. Vorschlag an den Verlag: „Es empfiehlt sich am Eingang des Norrtälje Fjordes die Segel zu bergen und trocken unter Deck zu bringen. Erfahrungsgemäß weht dort kein Wind und es kommt regelmäßig zu kräftigen Regenschauern. Beim Auslaufen ist entsprechend zu verfahren und die Segel sollten erst wieder kurz vor Graddö unter Deck hervorgeholt werden.“

Auf dem Weg nach Süden segelten wir diesmal durch den Blidösund und weiter durch einen wirklichen Schärengarten vorbei an Själlbottna und Finhamn. Kleine und kleinste Inselchen, im Zick-Zack an überspülten, kaum sichtbaren Felsen vorbei. Hinter Möja fädelten wir uns wieder auf eine der Autobahnen ein. Dort herrschte trotz der fortgeschrittenen Tageszeit ein wahres Durcheinander und Hin und Her von Wellen, sodass wir wieder anfingen von der einen Seite zur Anderen zu schaukeln, sobald die vorangegangenen Wellen vorbei waren. Wir wollten heute mal länger segeln, so lange bis die Leuchtfeuer zu sehen sind. „Mindestens bis Mitternacht“, hatte Enja sich gewünscht. Im Kanholmsfjärden begegnete uns der Kreuzfahrer SEVEN SEAS VOYAGER, den wir schon vor Visby getroffen hatten. Jetzt wohl schon auf der nächsten Kreuzfahrt?

Papa steuert, Enja navigiert

Langsam wurde es dunkler. „Papi, da blinkt was!“ Die ersten Leuchtfeuer und Tonnen erwachten aus ihrem Schlaf. Die Widerkehr der Leuchtfeuer auszählen, dann die Kennung bestimmen und mit den Angaben in der Karte vergleichen. Eigentlich ist es im Dunkeln viel einfacher, als tagsüber die Leuchtfeuer auszumachen und zu festzustellen, welcher Turm da eigentlich vor einem steht. Der Wind wurde langsam immer weniger, außerdem fing es ab und zu an zu stippeln. Dann doch lieber in einen Hafen, heute Abend.

Liebevoll in bunten Farben gestaltet

Ganz in der Nähe befand sich der kleine Hafen „Malmakvarn“, der in unserem Handbuch sehr nett beschrieben war. Im letzten Licht glitten wir an den Felsen vor dem Hafen vorbei, Enja konnte sogar die unbeleuchteten roten Tonnen ausmachen. Mit langsamster Fahrt tasteten wir uns unter Motor an weiteren unbeleuchteten Tonnen in der Dunkelheit weiter in den Hafen vor. Bald konnten wir die ersten spärlichen Lichter sehen, und dann waren wir auch schon im Hafen und fanden noch eine ganze Reihe freie Heckbojen zum festmachen. Schnell noch ein Gang zur Toilette und zur Dusche, die niedlich in kleinen Holzhäuschen mit hellgrün gestrichenen Wänden und pinkfarbenen Fensterrahmen untergebracht sind, dass sie schon Wert sind, das man mal hierher fährt.

Veröffentlicht unter 2012 Rund Ostsee | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert für Papi, da blinkt was