Holterdipolter

Mittags, 3. Tag der Überfahrt

Mittags, 3. Tag der Überfahrt

In unserer Wache von 0-4 Uhr dreht der Wind langsam auf WNW. Nachdem eine Front durchgezogen ist, nimmt der Wind langsam zu. Beim Wachwechsel verabschieden wir uns mit 10 kn mit Kurs Porto in die Koje. Morgens Böen bis 30 kn (Bft.7), es wird holperig. Die nächste Wache rollt die Genua 3 ein und setzt statt dessen die Stagfock, dazu das 1. Reff im Großsegel. Wer keinen „Dienst“ hat, verschwindet in der Koje und versucht, noch etwas Schlaf nachzuholen.

Sonnig, aber windig und frisch

Sonnig, aber windig und frisch

Unter Deck kann man nicht viel machen. Bei 25-30 Grad Schräglage ist jeder Gang ein Balanceakt, der Weg in meine „Kasperkoje“ in Luv eine Kletterpartie. Super gemacht, dass die Polster auf W4 kaum verrutschen, selbst wenn man darauf herumklettert. An Deck ohne Ölzeug geht gar nicht, dazu fliegt zu viel Wasser durch die Gegend, alles ist salzig und klamm. Es ist sonnig, aber frisch. Mittags macht Luzy Gemüsesuppe (aus der Tüte), zum Abendessen macht Jan Nudeln mit Tomatensauce. Da der Wind nicht weniger wird, binden wir für die Nacht lieber noch das 2. Reff ins Großsegel.

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Bordroutine

Mittags, 2. Tag der Überfahrt

Mittags, 2. Tag der Überfahrt

Mit einer Crew von acht, findet Lucy, können wir auch gut drei Wachen fahren. Sie übernimmt mit Bernd eine Wache, Hannes, Katrin und Robin bilden die zweite Wache, und mit Jan und Christine übernehme ich die dritte Wache. Nachts fahren wir 3 x 4 Std Wachen, tagsüber 2 x 6 Stunden. Dann rotieren die Wachen und es haben nicht immer die Gleichen die „Hundewache“. Drei Wachen hat den Vorteil, dass man mindestens 8 Stunden „frei“ hat, wer es gut trifft, kann tagsüber sogar 12 Stunden „blau“ machen.

Kochen ist nicht so einfach bei der Schräglage

Kochen ist nicht so einfach bei der Schräglage

Die erste Nacht is ruhig, wir laufen zwischen 6-7 Knoten, manchmal 8 Knoten. Einmal bleibt der Wind wie ausgeschaltet weg und wir müssen eine Stunde motoren um unsereren Mindestdurchschnitt zu halten. Bei wenig Wind kann es knapp werden, mit den gebuchten Flügen am Samstagmorgen. Vormittags sehen wir ein Containerschiff, mittags kochen Katrin und Hannes ein leckeres Gemüse-Curry. Gar nicht so einfach in der Pantry bei 20-25 Grad Schräglage!

Meistens haben wir Sonnenscheinn gehabt

Meistens haben wir Sonnenscheinn gehabt

Danach laden wir für zwei Stunden die Batterien. Damit das Boot nicht so schräg liegt, binden wir ein Reff ins Großsegel. Leider bemerken wir, das aus den „1 Tropfen alle 5 Sekunden“ mit der Zeit doch größere Wassermengen werden, die aus der Seewasserpumpe rinnen. Also: Strom sparen!  Nachmittags nochmal zwei Schiffsbegegenungen, die wir gut per AIS-Signal identifizieren können. Luzy fragt eines der Schiffe nach einem aktuellen Wetterbericht, aber angeblich haben sie keinen (oder Probleme mit der englischen Sprache). Mehrmals werden wir von Delphinen begleitet, die elegant große Sprünge aus dem Wasser heraus machen. Abends brist es wieder auf, sodass wir das erste Reff, das wir nur zwei Stunden vorher ausgeschüttet hatten, wieder einstecken müssen.

Luzy macht uns eine Karottensuppe zum Abendessen, die sie mit dem Rest des Green Curry verfeinert und der der Tütensuppe eine pikannte Note verleiht. Um Mitternacht stellen wir fest, dass wir heute fast 200 sm gesegelt sind.

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Nächster Hafen Porto

Kopfschmerzen, mir wird abwechselnd heiß und kalt in meinem Schlafsack. Und mir ist kotzübel. Hallo? Wir sind hier im Hafen! Als es hell wird klettere ich an Deck und übergebe mich, danach geht es mir langsam besser. Was war das denn? Nachwirkungen der vergammelten Fischfrikadelle in Horta?

Ertmal müssen wir ein Stück motoren

Mittags, 1. Tag der Überfahrt

Duschen, frühstücken, das Deck waschen, Diesel bunkern, Ein- und wieder ausklarieren. Noch 40 l Wasser kaufen. Christine besorgt noch ein paar Luxusgüter (Feuchttücher, Chips). Katrin ist aufgeregt und braucht ein paar Kuscheleinheiten. Dann geht es los. Ein Schluck Portwein auf die Überfahrt, ein Gruppenfoto, eine letzte SMS nach Hause „Nächster Hafen Porto“. Wind ist allerdings keiner, erstmal laufen wir unter Motor an der Küste von Sao Miguel entlang nach Osten.

Zum Mittagessen gibt es nocheinmal Nudeln mit Zuccini Pesto, es ist etwas Wind aufgekommen und wir setzen die Segel. Am „Ponta da Madrugada“ haben wir NNE 2-3 und mit 60-65 Grad über Grund entfernen wir uns mit 5.5-6 Knoten Fahrt langsam von der Küste. Luzy hat den Globus rausgeholt, einen Übersegler für den Nordatlantik. Von hier bis Porto sind es nur 18.8 cm (= 800 sm). Zusammen mit Christine und Jan habe ich die letzte Wache heute von 20-24 Uhr.

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Schweinswalwetter

"Schweinswalwetter" auf dem Atlantik

„Schweinswalwetter“ auf dem Atlantik

Um halb neun am Morgen wollte der Mechaniker von „Mid Atlantic Yacht Service“ spätestens wieder da sein, hoffentlich mit einem neuen Simmerring. Wir schlafen aus, warten…, duschen, warten…, frühstücken, warten… – da, endlich kommt er, aber ohne passendes Ersatzteil. Also muss es mit der alten Dichtung gehen, die er mit reichlich Fett wieder einsetzt. Erstmal nur 1 Tropfen alle 5 Sekunden. Mal sehen, wie das nach ein paar Stunden motoren aussieht.

Wir drehen eine Runde im Hafen. Bei mehr Gas kommt nun auch wieder Kühlwasser aus dem Auspuff. Wir gehen noch einmal an dem Holländischen Motorboot längsseits, bezahlen die Rechnung und warten auf den Chef vom „Mid Atlantic Yacht Service“, der uns noch die Telefonnummer einer Volvo Penta Werkstatt in Ponta Delgada vorbeibringen will, und dann geht es endlich los.

Wir haben ESE-Wind, zurück nach Ponta Delgada direkt von vorne. Wir überholen einen Katamaran, dann segeln wir in die erste Nacht. Wir haben leichten, drehenden Wind von vorne und kommen nur langsam und im zick-zack voran. Morgens in meiner Freiwache bekomme ich das Müsli direkt in die Koje gereicht, in meiner „Kasperkoje“ schlafe ich ja sozusagen direkt im Esszimmer. Vormittags schlafft der Wind immer weiter ab, in der Ostsee würden wir jetzt sagen „Schweinswalwetter“. Ob wir heute denn nun endlich mal richtig einen Wal sehen, so aus der Nähe?

Endlich! Ein Wal! Da ist ein Wal!

Endlich! Ein Wal! Da ist ein Wal!

Mittags geht gar nichts mehr. Segel weg und Motor an, uns läuft die Zeit weg. Wir müssen bis zum Abend im Hafen sein. Zum Mittagessen machen Luzy und Christine Spaghetti mit Gorgonzola Sauce. Als ich nachmittags in meiner Freiwache nochmal gemütlich in der Koje liege, schallt der Ruf „Wal!“ „Da ist ein Wal!!“ durchs Schiff. Ein großer Finnwal taucht neben uns auf, kommt noch 3-4 Mal an die Oberfläche um Luft zu holen, und verschwindet dann wieder in den Tiefen des Atlantiks. Toll!

Abends um halb neun sind wir in Ponta Delgada fest. Christine und Robin zischen gleich los, um noch restlichen Proviant einzukaufen. Landanschluss legen, Wasser bunkern. Jan, unser siebter Mitsegler für die Überfahrt, steht mit Freunden auf dem Steg. Er hatte eine Übernachtungsmöglichkeit beim Couch Surfen gefunden und zeigt seinen neuen Freunden (einer Rumänin, einer Belgierin und einem Griechen) das W4. Nachdem Christine und Robin vom Einkaufen zurück sind, essen wir alle zusammen zu Abend. Und um 23:30 Uhr steht auch Bernd, unser Mitsegler Nr. 8 am Steg. Wir sind komplett!

Inselhopping in den Azoren

Inselhopping in den Azoren

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Kein Kühlwasser…

Pen Duick VI - Eric Tabarlys legendäre Ketsch

Pen Duick VI – Eric Tabarlys legendäre Ketsch

Wie üblich, 6 Uhr aufstehen, 7 Uhr geht es los. Wir legen ein Bilderbuch Ablegemanöver mit Eindampfen in die Achterspring hin, aber noch im Vorhafen kommt kein Kühlwasser mehr aus dem Auspuff. Zurück an den Liegeplatz. Dann können wir ja jetzt erstmal gemütlich frühstücken.

Überall hinterlassen die Crews ihre Gemälde

Überall hinterlassen die Crews ihre Gemälde

Auf dem Nachbarboot ist gerade ein Servicetechniker von Volvo Penta, der sieht sich die Sache mal an. Seewasserpumpe ausbauen, der Impeller ist kaputt, drei Flügelchen sind abgerissen. In unserer umfangreichen Ersatzteilsammlung können wir zunächst keinen Ersatz finden. Beim „Mid Atlantic Yacht Service“ besorgt Luzy einen neuen Impeller. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, gehen Christine und Robin Proviant für die Überfahrt nach Porto einkaufen, dann brauchen wir in Ponta Delgada nur noch Kleinigkeiten besorgen. Hannes, Robin und Christine bereiten ein spätes Mittagessen vor.

"Hippopotamus" von Sönke und Judith Röver (1000 Tage Samstag)

„Hippopotamus“ von Sönke und Judith Röver (1000 Tage Samstag)

Nach seiner Mittagspause will der Mechaniker bei uns noch einmal vorbeischauen. Er checkt im Gehäuse die Lauffläche des Impellers und entdeckt einen Grat, den wir übersehen hätten. Deshalb ist der alte Impeller kaputt gegangen. Kann entstehen, wenn mal Sand in den Kühlwasserkreislauf und in die Pumpe gerät. Er beseitigt den Grat, eine Befestigungsschraube muss ausgebohrt, ein Gewinde neu geschnitten werden. Dann baut er die Kühlwasserpumpe wieder ein, der Motor wird gestartet, aber immer noch kommt kein Kühlwasser aus dem Auspuff. Ein Teil davon läuft aus der Pumpe gleich in die Motorbilge – der Simmerring, der die Antriebswelle motorseitig abdichtet, ist ebenfalls kaputt. So einen finden wir auch nicht bei unseren Ersatzteilen.

Gehe zurück auf Los…

Der Mechaniker hat in der Werkstatt ebenfalls kein passendes Ersatzteil und hofft auf die anderen Werkstätten in Horta am nächsten Morgen. So ein Mist! Ein verplemperter Tag. Morgen müssen wir aber spätestens von hier los, um rechtzeitig von Ponta Delgada in Richtung Porto auslaufen zu können.

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Drehscheibe der Hochseesegler

W4 in Horta vor der "Blind Date"

W4 in Horta vor der „Blind Date“

Über Nacht haben noch drei andere Yachten hinter uns an der Reception festgemacht. Frühmorgens geht ein Franzose bei uns längsseits. Alle kommen direkt aus der Karibik oder von den Bermudas. Duschen, Frühstücken, das Boot von der Reception auf den richtigen Liegeplatz verholen (längsseits einer Moody 62 – sehr schickes Reiseschiff).

"Arndt" von der Schulungsgruppe des KYC

„Arndt“ von der Schulungsgruppe des KYC

Christine und Robin machen sich auf die Suche nach Farbe, damit wir auch einen Gruss von W4 auf der Kaimauer hinterlassen können. Hannes schaut sich das Städtchen an und ich stromere im Hafen umher. Ich entdecke Gemälde von Seglern, die ich kenne, „Arndt“ vom KYC, „Talofa Lee“ aus Strande, „Hippopotamus“ von Sönke und Judith Röver und „Paulinchen“ von Hinnerk Weiler.

Hochglanzlackierte und polierte Superyachten

Hochglanzlackierte und polierte Superyachten

Nachmittags treffen wir uns bei „Peter Café Sport“ auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Wir kaufen Postkarten und Mitbringsel für die Lieben daheim. Meine Mädels bekommen ein Poloshirt von „Peter“. Luzy und Christine beginnen unser Walross-Gemälde auf der Pier. Wir haben wieder blauen Himmel und endlich ist es so warm, dass wir nur im T-Shirt sein können. Wir schrubben den Wasserpass, reinigen den Spiegel und rücken den Rostspuren auf der Außenhaut mit „Anti Gilb“ zu Leibe.

"Talofa Lee" von den Bodendieks aus Strande

„Talofa Lee“ von den Bodendieks aus Strande

Die Atmosphäre hier an der Drehscheibe der Atlantiksegler ist unglaublich anregend. In Stundenabständen treffen neue Boote ein. Die Vielfalt, kleine Boote, große Boote, Megayachten, alte und neue Boote, Monohulls, Katamarane, in der Mehrzahl Engländer, Franzosen, Holländer und Norweger, aber auch ein paar Schweden, Deutsche und Amerikaner. Ein Engländer mit einer hellblau-türkisfarbenen klassischen Yacht aus den 1950-er / 1960-er Jahren, der, Einhand und ohne Motor unterwegs, sich darüber beklagt, dass die Häfen immer voller werden, ankert im Hafen. Ein Deutscher Einhandsegler, der nach 67 Tagen aus Brasilien kommend hier eingetroffen ist. Das begeistert mich! Ich erinnere mich, wie ich 1981 mit meinen Eltern in Oslo und Bergen war, und wie begeistert ich war, dort (so weit weg) Deutsche Segelboote zu sehen. Gleich 1982 war ich dann selbst auf eigenem Kiel nach Stockholm gesegelt, 1983 nach Oslo, 1984 nach Bergen. Ich überlege, ob ich selbst wohl auch einmal mit der SNAEDIS nach Horta kommen werde? Na ja, nächstes Jahr jedenfalls noch nicht…

Bevor wir zum Abendessen gehen hieven wir den „Schlaffen Willi“ an Deck. Eigentlich hatten wir vor, in einem Restaurant am „Porto Pim“ mit Blick auf den Sonnenuntergang essen zu gehen, aber das hatte heute geschlossen. Deshalb gehen wir weiter in „Canto da Doca“, ein außergewöhnliches Restaurant, weil man dort sein Essen (Fisch, Fleisch, Gemüse) auf einem heißen Lavatstein direkt am Tisch selbst gart. Einfach Klasse!

Lucy: „Jedes bißchen mehr wäre jetzt aber Völlerei!“, Ich: „Das gilt jetzt aber nicht für den Nachtisch, oder?“ Ein Kaffee (mit Zimtstange zum umrühren) und ein Brandy schließen das Essen ab.

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Weiter nach Faial

"Pico" in der Abendsonne

„Pico“ in der Abendsonne

Heute geht es weiter nach Horta. Nach längerem Überlegen hat Lucy zugestimmt, doch nach Horta auf Faial zu segeln. Hannes freut sich sehr, Horta und das „Peter Café Sport“ waren sein eigentliches Ziel auf diesem Törn. Lucy muss morgens noch ausklarieren, Christine den Mietwagen zurückbringen. Das gibt uns die Zeit zu duschen und vor dem Auslaufen noch eine Kleinigkeit zu frühstücken. Für heute ist weniger Wind angesagt und wir wechseln noch am Steg von der G4 auf die G3.

Sonnenuntergang vor "Faial"

Sonnenuntergang vor „Faial“

So lange wie wir noch in der Abdeckung von Treceira sind, haben wir wenig und wechselhaften Wind. Je mehr wir uns Sao Jorge nähern, desto stetiger wird der Wind und kommt immer achterlicher. Das Plateau von Sao Jorge liegt in den Wolken, die Steilküste liegt im Schatten und so macht die Insel einen ungemütlichen, unwirtlichen Eindruck. Graciosa (liegt in der Sonne) wirkt da viel freundlicher. Mehrmals begleiten uns Delphine. So lange sie noch weiter entfernt sind, springen sie hoch und lassen sich platschend wieder ins Wasser fallen. Ein andermal versammeln sich drei/vier Delphine am Bug, einer neben dem anderen, kaum unter Wasser und höchstens eine Handbreit vor unserem Steven, so als wollten sie ausprobieren, wer sich am dichtesten an das Boot herantraut, ohne davon berührt zu werden. Der Seegang ist heute so leicht, das Katrin und Hannes mit Lust am Kochen sind. Es gibt Gemüseauflauf aus dem Ofen, dazu Kartoffeln und Pfingstbrot – oberlecker!

Gemeinsam im "Peter Café Sport"

Gemeinsam im „Peter Café Sport“

Nachdem wir Sao Jorge umrundet haben liegen Faial und Pico in der Abendsonne vor uns. Besonders der Vulkan auf Pico (2351 m hoch) hat es uns angetan. Imposant! Als wir in Horta einlaufen, ist es schon dunkel. Nachmittags hatte Lucy über UKW mit dem „Peter von Seestermühe“ geklönt, und Christoph (der Skipper) meinte in Horta wären noch viele Plätze frei. Aber der Harbour Captain winkt uns an die Reception heran, wir sollen an einer Holländischen Motoryacht längsseit gehen. Nach einem Einlaufbier im Cockpit gehen wir gemeinsam ins „Peter Café Sport“ und wir stoßen auf den Wendepunkt unserer Reise an.

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Pfingsten auf Terceira

Pfingsfeierlichkeiten in "Agualva"

Pfingsfeierlichkeiten in „Agualva“

Pfingstsonntag, Onno verlässt uns heute, daher sind wir auch schon früh in Gang. Hannes ist heute alleine mit dem Moped unterwegs, wir anderen machen uns kurz danach wieder mit dem Fiat auf den Weg. Heute wollen wir in den Norden nach „Agualva“ und nach „Vila Nova“, dort sollen die schönsten und beliebtesten Pfingsprozessionen stattfinden. Als wir in „Agualva“ eintreffen haben sich schon zahlreiche festlich gekleidete Menschen vor der Kirche versammelt. Als sich der Gottesdienst dem Ende neigt, werden Böller abgeschossen, in der Kirche kann man Blitzlichter von Fotoapparaten sehen und Applaus hören. Die Prozession ist schnell vorüber, die Musiker spielen überraschenderweise keine Kirchenmusik, sondern portugiesische Musik, die uns etwas an spanischen Flamenco erinnert. Große Laibe Brot werden an die Zuschauer verteilt (auch wir nehmen fünf Laibe Brot mit nach Hause), und es wird roter Messwein ausgeschenkt. Von „Agualva“ aus fahren wir weiter nach „Vila Nova“, dort ist die Prozession schon vorbei und das gemeinsame Picknick auf den festlich geschmückten Ochsenkarren ist noch im vollen Gange.

Robin tauscht in luftiger Höhe das Spifall aus

Robin tauscht in luftiger Höhe das Spifall aus

Zurück an Bord wartet noch Arbeit auf uns. Alle Segel, die wir zum Trocknen aus der Segellast heraus an Deck geholt haben, müssen wieder verstaut werden. Wir ziehen Robin in den Mast, der das alte Spifall einmal über die obere Saling ziehen soll. Dann können wir ja auch das neue Fall einscheren, dass uns unsere Vorgänger dagelassen haben, findet Lucy. Diese eigentlich einfache Aktion wächst sich zum feinmechanischen Problem aus, denn das neue Fall ist einfach dicker als das alte, zu dick, und es lässt sich nicht vernünftig durch die Fallenstopper fädeln.

"Nur ein Kratzer"

„Nur ein Kratzer“

Hannes kommt lädiert von seinem Ausflug zurück, „nur ein Kratzer“, aber dann ist er doch ganz froh, dass Doktor Lucy die Wunde mit einer Pinzette säubert und gemeinsam mit Schwester Katrin die Wundränder mit sterilen Strips verschiedener Breite wieder zusammenklebt. Der Kinderchirurg möchte lieber nicht genäht werden, und als Übungsobjekt für angehende Ärzte im örtlichen Krankenhaus möchte er schon gar nicht dienen. Ein leichter Druckverband ist nötig, um die Blutung zu stillen.

Zum Abendessen gibt es Salat, einen Thunfisch Dip und dazu 1-2 Laibe vom gesegneten Pfingsbrot. Danach gönnen wir uns in gemütlicher Runde eine Flasche Wein.

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Vulkane und Stierkämpfe

Im Schlot des Vulkans, Blick nach oben

Im Schlot des Vulkans, Blick nach oben

Nachdem wir gestern sooo lange gesegelt sind, kommen wir heute erst allmählich in Gang. Nach dem Frühstück Bilgen lenzen, Toilette schrubben, Vorschiff ausräumen und Segel an Deck trocknen. Ich stelle eine Liste zusammen, welche Seekarten an Bord sind. Christine besorgt einen Mietwagen für die nächsten beiden Tage. Hannes und Robin wollen lieber mit dem Roller die Insel erkunden. Wir zwängen uns zu fünf in den Fiat Punto und los gehts. Unser erstes Ziel ist der „Algar do Carvao“, der Schlot eines erloschenen Vulkans, in dem man 90 m in die Tiefe steigen kann. Das erste Stück beleuchtet noch Sonnenlicht das innere des Vulkans, es ist kühl und feucht, und am Grunde des Schlots befindet sich ein See. Ein bißchen unheimlich, aber faszinierend, der Eingang ins innere der Erde.

Der Stier ist gut drauf...

Der Stier ist gut drauf…

Weiter gehts nach „Praia da Victoria“, dem zweitwichtigsten Hafen der Insel. Dort stärken wir uns mit Kaffee und Kuchen, bevor wir nach „Mateus da Calheta“ weiterfahren, wo heute die Stierkämpfe in den Strassen stattfinden. RUMMS, der erste Böller knallt. Der erste Stier läuft durch die Strassen, an einem langen Seil von bis zu sieben Stierbegleitern gesichert. Wir stehen auf der Terasse eines Restaurants. Erschrockenes Geschrei, als der Stier über die 1 m hohe Mauer springt und die Zuschauer hinter der Mauer auch auf die Terasse scheucht.

... und springt auch schon mal über eine Mauer in die Zuschauermenge.

… und springt auch schon mal über eine Mauer in die Zuschauermenge.

Danach gibt es zur Stärkung fettige Muräne (Puh!), kaum geniessbar. Dann gehen wir doch lieber weiter ins nächste Restaurant mit Blick auf den Hafen, in dem auch die Stierkämpfer feiern. Steak, Fisch, Meeresfrüchte schmecken uns besser als die fettige Muräne. Dazu je eine Flasche weißer und roter Wein erzeugen eine angenehme Bettschwere. Zurück an Bord vergleichen wir vergnügt die Fotos, die wir heute gemacht haben.

Spruch des Tages: „Wo früher deine Leber war, ist heute eine Mini-Bar“ 🙂

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Sunshine Sailing

Katrin steuert freihändig :-)

Katrin steuert freihändig 🙂

Nach Terceira haben wir heute knapp 100 sm zu segeln. Also wieder 6 Uhr aufstehen, 7 Uhr auslaufen. Katrin macht schnell noch ein paar belegte Brote damit wir zum Frühstück was zu futtern haben. Den Kurs nach Teceira können wir mit einem kleinen Schrick anliegen und nachdem wir aus der Abdeckung von Sao Miguel heraus sind haben wir schönen stetigen Wind um 20 kn. Mit Großsegel und G4 laufen wir 7.5 bis 8.5 Knoten. Von 7-11 Uhr haben Christine und ich Wache, von 11-15 Uhr sind Hannes und Katrin an der Reihe, von 15-19 Uhr sind Luzy und Onno dran.

Delphine! - Da waren zwei, bestimmt! :-)

Delphine! – Da waren zwei, bestimmt! 🙂

Nachdem sich die grauen Wolken aufgelöst haben strahlt die Sonne auf das tiefblaue Meer. Katrin und Hannes sehen zweimal einen Wal blasen, und einige Male werden wir von Delphinen begleitet. Flipper & Co. sind jedoch so schnell, dass auf allen Fotos bestenfalls die Spuren von abtauchenden Delphinen zu sehen sind. Die hohe Atlantikdünung begleitet uns den ganzen Tag. Katrin steht mit breitem Grinsen lange hinter dem großen Rad des W4. Inzwischen kann sie sogar freihändig steuern.

Das W4 in "Angra do Heroismo" auf Terceira

Das W4 in „Angra do Heroismo“ auf Terceira

Kurz nach 19 Uhr bergen wir vor dem Hafen „Angra do Heroismo“ auf Terceira die Segel. Luzy hat uns beim Harbour Captain angemeldet und er hat uns eine Box freigehalten. Eine brasilianisch anmutende Kirche in hellblau thront über dem Hafen. Da der Harbour Master extra die Sanitärräume für uns offen hält, stürmt die halbe Crew sofort die Duschen. Luzy führt Logbuch, ich schreibe meinen Reisebericht und Onno bringt die W-Lan Verbindung in Gang.

Für das Abendessen empfiehlt uns der Harbour Master das Restaurant „Chicco“. Heute wollen alle Fisch und es ist ausgesprochen lecker. Wir haben Glück, kurz nachdem wir einen Tisch mit sieben Personen belegt haben, schließt der Chef die Eingangstür ab – wegen Überfüllung geschlossen. Auf dem Rückweg zum W4 bummeln wir durch die Strassen, bleiben lange an einem Schaufenster hängen, in den eine DVD über die „Stierkämpfe am Strick“ läuft, die jetzt am Pfingstwochenende stattfinden werden. Einige Besuffskis werden ganz schön von den Stieren durch die Luft gewirbelt, oder prallen im vollen Lauf gegen Mauern und Häuserwände – brutal.

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